Gräser sammeln

Im Frühjahr beginnt die Sammelzeit für Wiesengräser, die schon im halbreifen Zustand nicht nur sehr schmackhaft, sondern auch äußerst gesund für Wellensittiche sind.

Wiesengräser zählen neben Hirsen, Kanariengras, Bambus, Hafer und anderen Getreidearten zu den Süßgräsern. Die reifen Samen sind reich an Kohlehydraten. Im halbreifen Zustand enthalten sie mehr Proteine und Vitamine und sind damit ein überaus gesunder Leckerbissen.

Süßgräser erkennen

Süßgräser haben diese ganz typischen Knoten an den Halmen, welche man bei anderen Pflanzen nicht findet. Die Knoten sind somit die einfachste Bestimmungsmöglichkeit für Süßgräser:

Erwähnenswert wären hier noch die Sauergräser, welche wohl keinen nennenswerten Nährwert haben und auch nicht so gut schmecken.

Von Süßgräsern können sie eindeutig unterschieden werden: die meist hohlen Halme der Süßgräser haben einen runden bis ovalen Durchschnitt. Sauergräser sind dagegen dreieckig und gefüllt. An den Halmen weisen sie keine Knoten auf.

Du willst es genauer wissen?

Versuche es doch mal mit einer Pflanzen-App auf dem Handy! Wer rennt schon gerne mit einer halben Bibliothek in der Landschaft rum? Die Pflanzen-Apps sind mittlerweile richtig gut geworden und ich habe es noch selten erlebt, dass eine Bestimmung falsch ist. Bei Unsicherheit einfach eine zweite App installieren und damit gegenprüfen. Ich selbst verwende zur Zeit „Flora Incognita“. Wenn ich unsicher bin, schlage ich vertiefend auch mal was in Büchern oder wahlweise im Internet nach.

Eine genaue Bestimmung der einzelnen Gräserarten als geeignetes Wellensittichfutter ist allerdings – bis auf eine Ausnahme* – nicht zwingend nötig, da uns die Knoten an den Halmen schon ein eindeutiges Unterscheidungsmerkmal zu anderen Pflanzen liefern.

*Ausnahme!
Ruchgräser enthalten Cumarin und sind deshalb nicht gut verträglich. In größeren Mengen kann Cumarin sogar lebertoxisch sein. Deshalb nur mäßig oder besser gar nicht füttern, da Wellensittiche generell zu Problemem mit der Leber neigen. Ruchgräser sind sehr gut am typischen Waldmeistergeruch zu erkennen.

Häufig vorkommende Gräserarten
Fuchsschwanzgräser, Hafer- und Hirsearten, Knäuelgräser, Lieschgräser, Rispengäser, Schwingelarten, Trespenarten, Weidelgräser…

Die Geschmäcker sind verschieden: finde heraus, was deinen Wellensittichen am besten schmeckt!

Achtung Pilzgefahr!
Hier sei im Besonderen das sog. Mutterkorn erwähnt, das eigentlich kein Korn, sondern ein Schlauchpilz ist. Samenstände können von diesem Pilz befallen sein. Dieser produziert Alkaloide und ist sehr giftig!

Quelle und weitere Infos über „Mutterkorn“ bei Wikipedia, weitere Verwandte: Epichloë

Mehltau ist ebenfalls ein Pilz, der zwar nicht tödlich ist, aber auch nicht gerade gesundheitsfördernd. Sichtbar befallene Gräser sollten daher besser nicht verfüttert werden.

Sammeltipps

Vorneweg ist es sehr wichtig zu wissen, dass Wiesengräser nicht auf Hundewiesen, an Bahnlinien, in verkehrsreichen Gegenden, Industriegebieten und bei landwirtschaftlich genutzten Flächen gesammelt werden sollten.

Am Besten ist es, man kennt jemand mit Garten oder hat selbst einen. Wenn sichergestellt ist, dass hier keine Pflanzenschutzmittel ausgebracht wurden und auch die obigen Hinweise nicht zutreffen, steht dem Gräser sammeln nichts mehr im Wege.

Gräser ziehen
Eine Schere wird zum Ernten eigentlich nicht benötigt, wenn man die Gräser einfach nur „zieht“: oben unter dem Samenstand fest zupacken und ruckartig in Wuchsrichtung ziehen. Dabei entsteht ein ganz typisches Quietschen.

So geerntet können die Gräser sogar noch einmal nachschieben und neue Samen bilden.

Ich selbst habe nicht so viel Kraft zum Zupacken und verwende deshalb einen Latexhandschuh. Ein Gartenhandschuh mit Gummibeschichtung funktioniert ebenfalls gut.

Gräserstrauß binden
Für den leichteren Transport und die nachfolgende Versorgung bietet es sich an, schon unterwegs kleine Sträuße zu binden. Einen Faden oder ähnliches muss man dafür nicht mitnehmen. Ein einfacher Grashalm oder ein langes Blatt reichen dafür vollkommen aus.

Den Grashalm etwas durch die Finger ziehen, damit er nicht so leicht bricht. Den Halm durch die „gefühlte“ Mitte der Stängel stechen, den Strauß umwickeln und am Ende wieder durch die Mitte stechen, vorsichtig festziehen. Ein Knoten ist nicht nötig, zumal der Grashalm dabei sehr gerne reißt.

Lagerung

Vase
Frische Gräser halten sich in einer Vase bis zu vier Tage. So muss man nicht jeden Tag los und kann immer ein frisches Sträußchen anbieten.

Das Wasser täglich frisch machen, um einer Verkeimung vorzubeugen.

Einfrieren
Direkt nach der Ernte in kleinen Portionen vakuumiert, bleiben die Gräser sehr lange frisch, bekommen keinen Gefrierbrand und benötigen durch die Vakuumierung weniger Platz im Froster. Ein toller Leckerbissen im Winter!

Vor der Gabe vollständig auftauen.

Trocknen
Locker auf einer Fläche ausgelegt oder in kleinen Sträußen aufgehängt, lassen sich Gräser auch prima trocknen. Wichtig ist dabei eine trockene Umgebung, bestenfalls auch dunkel.

Als kleiner Snack und Beschäftigung für zwischendurch ist das immer eine willkommene Abwechslung.